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Warum Vorratsdatenspeicherung?

 
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Kavi
Boss hier


Anmeldedatum: 01.08.2006
Beiträge: 1002

BeitragVerfasst am: 25.11.2012, 13:06    Titel: Warum Vorratsdatenspeicherung? Antworten mit Zitat

Wenn man eine bestimmte Forderung immer wieder von immer denselben Seiten hört, muss man natürlich fragen, welche Interessen dahinter stehen.

Deshalb die Frage, wem nützt die Vorratsdatenspeicherung?

Bevor man die Frage beantworten kann muss man sich zunächst einmal klarmachen, was damit überhaupt bewirkt wird. Mit der Vorratsdatenspeicherung im Internet wird neben vielen persönlichen Angaben zum Nutzer (Name, Wohnort und Geburtsdatum, eventuell auch noch Bankverbindung) vom Internetprovider gespeichert, welche IP einem bestimmten Anschluss von wann bis wann zugeordnet war.

Wer kann mit diesen Angaben etwas anfangen?

Das ist die eigentlich interessante Frage, die auch deutlich zeigt, welche Interessen dahinter stehen.

Die IP ist die Adresse, mit der Computer untereinander kommunizieren. So wie es für unsereinen die Telefonnummer oder die Anschrift ist. Solange man nur von einer Seite der Kommunikation die Adresse hat, nützt sie praktisch gar nichts. Eine Telefonnummer kann ich im Telefonbuch nachschlagen, damit ist noch nicht die interessante Frage beantwortet, mit wem der Anschlussinhaber telefoniert.

Doch genau darum geht es bei der Vorratsdatenspeicherung, und zwar keineswegs nur im Mobilfunksektor, sondern auch im Internet.

Die IP nützt also nur dann etwas, wenn ich auch weiß, mit welchem anderen Computer eine Verbindung aufgebaut worden war und was von diesem anderen Computer angefordert beziehungsweise dorthin gesendet wurde. Das geht aus der Vorratsdatenspeicherung jedoch nicht hervor, im Gegensatz zur Vorratsdatenspeicherung im Mobilfunknetz.

So gesehen ist die Kenntnis der Zuordnung einer IP zu einem bestimmten Nutzer zunächst einmal wertlos. Es ist nicht mehr als die Telefonnummer aus dem Telefonbuch. Der wesentliche Unterschied zur Telefonnummer ist natürlich, dass eine dynamische IP spätestens nach 24 Stunden einem anderen Nutzer zugeordnet wird und somit nicht an einen bestimmten Nutzer gebunden ist.

Trotzdem ist sie auch mit Vorratsdatenspeicherung zunächst einmal ebenso nutzlos für Ermittlungsbehörden wie eine Telefonnummer, wenn der Telefonanschluss nicht überwacht wird. Oder eines der Telefone, mit denen von dieser Telefonnummer aus telefoniert wurde, überwacht wird. Denn dann hat man beide Seiten und weiß, wer mit wem gesprochen hat. Obwohl das so natürlich auch nicht ganz stimmt, man weiß nur welcher Anschluss mit welchem Anschluss verbunden war. Wer da jeweils den Hörer in der Hand hatte, lässt sich nur mit einer Sprachaufzeichnung, also der totalen Überwachung rekonstruieren.

Im Web nützt die Vorratsdatenspeicherung nur dann etwas, wenn man auch die Protokolldateien der Gegenseite zur Verfügung hat, also des Webservers, mit dem von diesem Computer (Router) aus kommuniziert wurde. Das würde sich nur dann ändern, wenn die Internetprovider im Zuge der Vorratsdatenspeicherung nicht nur speichern müssen, wem welche dynamische IP von wann bis wann zugeordnet war, sondern analog zur Sprachaufzeichnung eines Telefonats auch die Aktivität im Internet aufgezeichnet werden müsste. Das ist mit unserer Verfassung jedoch glücklicherweise nicht erlaubt, auch wenn einige Sicherheitspolitiker und Ermittlungsbeamte verfassungswidrig davon träumen.

In der Regel hat man jedoch nicht die Protokolldateien der Gegenseite, es sei denn, ein Server wird beschlagnahmt oder gleich von den Behörden betrieben. Letzteres taucht immer wieder mal als Gerücht im Zusammenhang mit Kinderpornos auf, Server, die von der Polizei betrieben oder weiterbetrieben werden. Zumindest in einem Fall Ende der Neunzigerjahre ist das auch amtlich. Definitiv amtlich ist, dass Behörden protokollieren, wer von uns auf bestimmte Webseiten auf dem Webangebot der Behörden zugegriffen hat, derjenige steht sofort unter Verdacht, Täter oder Mitwisser einer Straftat zu sein.

In den meisten Fällen haben die Ermittlungsbehörden jedoch keinen Zugriff auf die Protokolldateien eines Webservers, womit auch die Vorratsdatenspeicherung ins Leere läuft. Doch selbst, wenn man Zugriff auf einen Webserver hat, braucht man keine Vorratsdatenspeicherung, weil zu Abrechnungszwecken praktisch jeder Internetprovider für mindestens sieben Tage ohnehin speichert, welchem Kunden eine dynamische IP von wann bis wann zugeordnet war. Das so genannte Quick Freeze Verfahren, das von der Justizministerin als Alternative zur Vorratsdatenspeicherung immer wieder ins Spiel gebracht wird, würde in diesen Fällen völlig ausreichen. Schließlich lässt sich das sogar automatisiert mit einem Internetprovider abwickeln.

Welchen Vorteil haben also Ermittlungsbehörden von einer Vorratsdatenspeicherung?

Unter normalen Umständen gar keinen. Höchstens dann, wenn ein Server mit illegalen Inhalten mitsamt seiner Protokolldateien den Ermittlungsbehörden in die Hände fällt, dann lässt sich innerhalb der Fristen der Vorratsdatenspeicherung rekonstruieren, wer auf welche Webseite wann zugegriffen hat. Das dürfte jedoch die absolute Ausnahme sein. Um beim oft zitierten Beispiel Kinderpornos zu bleiben, hier werden nach Erfahrungen der Internet Watch Foundation die eigentlichen Dateien ohnehin nie länger als eine Woche, oft genug sogar nur zwei Tage auf einem Webserver vorgehalten, über einen Redirect, der in einem Land ohne Vorratsdatenspeicherung stehen kann, wird auf die jeweilige Webseite mit den eigentlichen Inhalten weitergeleitet.

Was im Bereich der Kinderpornos beobachtet wurde, dürfte sich auch in vielen anderen illegalen oder Grauzonen des Internet ähnlich verhalten. Die Protokolldateien eines Webservers, mit denen man zusammen mit der Vorratsdatenspeicherung vielleicht feststellen könnte, von welchem Anschluss aus eine illegale Webseite aufgerufen wurde, spiegeln in diesen Fällen höchstens eine Woche wieder.

Warum wollen die Ermittlungsbehörden trotzdem die Vorratsdatenspeicherung?

Das ist rätselhaft. Die Erfahrung mit und ohne Vorratsdatenspeicherung zeigen deutlich, dass die Aufklärung von Verbrechen durch die Vorratsdatenspeicherung nicht etwa besser wird, sondern ganz im Gegenteil schlechter. Warum ist das so?

Weil man die Vorratsdatenspeicherung ganz einfach umgehen kann.

Wie gesagt, solange der Internetprovider nicht aufzeichnet, was er nicht darf, welche Webseiten aufgerufen wurden, sondern nur eine Rückwärtsverfolgung durch die Protokolldateien eines Webservers zusammen mit der Vorratsdatenspeicherung Erfolg versprechend ist, kann man die Vorratsdatenspeicherung auch ganz einfach umgehen.

Rufen wir uns nochmal in Erinnerung, wie die Kommunikation zwischen Computern funktioniert. Beide Computer haben als einmalige Adresse eine IP. Dadurch werden die Anfragen des Clients an die richtige Adresse geschickt und umgekehrt kann der Server seine Antwort auch an die richtige Adresse schicken. Was ist, wenn ich einen weiteren Computer dazwischen schalte? Dann bekommt der Webserver nur noch die Adresse des dazwischen geschalteten Computers zu sehen. An wen dieser Computer die übermittelten Daten weiterleitet, kann der antwortende Computer, also beispielsweise der Webserver, nicht feststellen.

Dieses Prinzip ist altbekannt und wird als Proxy bezeichnet. Ob dieses Prinzip auch sicher ist hängt natürlich davon ab, ob der dazwischen geschalteten Proxy seinerseits Protokolldateien aufzeichnet und speichert oder nicht. Es ist auf jeden Fall sicherer, weil mit auch nur einem einzigen dazwischengeschalteten Proxy die Protokolldateien von beiden Servern, also dem Webserver und den Proxy Server, den Behörden bekannt sein müssen, sonst nützt es nichts.

Noch sicherer wird es mit VPN, wenn der VPN-Server in einem Land ohne Verpflichtung zur Vorratsdatenspeicherung steht und der Betreiber generell keine Protokolldateien speichert. Also sobald die Weiterleitung einer Datei veranlasst ist, die Daten vom Computer auch schon wieder vergessen werden.

Warum ist VPN noch sicherer als ein Proxy?

Weil in diesem Fall noch nicht einmal der Internetprovider, selbst wenn er verbotenerweise doch aufzeichnen würde, welche Webseiten vom Client angefordert wurden, mehr feststellen könnte als das sein Kunde mit einem VPN Server verbunden ist. Denn die gesamte Kommunikation zwischen Client und VPN Server ist verschlüsselt, mit wirklich sicheren Schlüsseln, wie sie von einigen kommerziellen Anbietern angeboten werden, ist es unmöglich, die Kommunikation zu überwachen.

Insoweit hat der VPN-Server viel Ähnlichkeit mit einem Usenet Provider, der SSL Verschlüsselung anbietet. Der Usenet Provider protokolliert nicht, welcher Kunde auf welche Newsgroup zugreift und welche Dateien aus der Newsgroup herunter geladen werden, der Internetprovider wiederum kann nicht mehr feststellen, als dass eine Verbindung zwischen einen News-Server und seinem Kunden aufgebaut ist.

Die Erfahrungen der Ermittlungsbehörden im Zusammenhang mit der Vorratsdatenspeicherung

In Ländern, in denen die Vorratsdatenspeicherung gehandhabt wird, werden viel häufiger Umgehungsmöglichkeiten genutzt als in Ländern ohne Vorratsdatenspeicherung. Damit wird gerade die Kriminalität, um die es angeblich bei der Vorratsdatenspeicherung geht, nämlich organisiertes Verbrechen und Terrorismus, dazu animiert, sichere Umgehungsmöglichkeiten wie beispielsweise VPN die gesamte Kommunikation zu nutzen.

Was auf der Strecke bleibt sind Kleinkriminelle, die zu dumm sind, um die technischen Möglichkeiten einer Verschleierung der Kommunikation zu nutzen. Doch genau diese Kleinkriminellen dürfen nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts mithilfe der Vorratsdatenspeicherung nicht verfolgt werden.

Warum also Vorratsdatenspeicherung?

Warum Sicherheitspolitiker die Vorratsdatenspeicherung immer wieder fordern, ist zumindest dann rätselhaft, wenn man bei Ihnen einige grundlegende Kenntnisse der Kommunikation im Internet voraussetzen kann. Wird sie trotzdem gefordert, dann aus Unkenntnis oder bodenloser Dummheit. Wird sie entgegen dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts auch noch für die Verfolgung von Vergehen wie Betrug gefordert, darf man die Verfassungstreue eines solchen Politikers zu Recht infrage stellen.

Bei Polizeibehörden, bei denen man eigentlich unterstellen könnte, dass es zumindest einige in der Behörde gibt, denen diese einfachen Zusammenhänge ebenfalls bekannt sind, ist die Forderung nach Vorratsdatenspeicherung erst recht rätselhaft.

Es gibt allerdings einen ganzen Industriezweig, der trotz eindeutiger Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts, also in verfassungsfeindlicher Absicht, ganz scharf ist auf die Daten aus der Vorratsdatenspeicherung, nämlich die so genannte Contentindustrie. Also jener Industriezweig, der ausschließlich von der gewerblichen Nutzung von Urheberrechten lebt. Ein Industriezweig, der unmoralischer gar nicht mehr sein kann, als er es ohnehin schon ist. Denn trotz der Möglichkeiten des Usenet, ohne jegliche Überwachung etwas, auch Urheberrechtsverletzungen, auf dem eigenen Computer herunterladen zu können, ist die Verbreitung von Tauschbörsen immer noch sehr groß.

Doch in Tauschbörsen ist die IP für jeden Teilnehmer offensichtlich. Deshalb ist es insbesondere dieser Industriezweig, der Vorratsdatenspeicherung fordert, auch in der Hoffnung auf eine zukünftige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts oder eine Verfassungsänderung, die den Zugriff auf diese Daten auch bei Urheberrechtsverletzungen erlaubt.

Im Zusammenhang mit der Industrie ist natürlich auch die Frage erlaubt, warum Sicherheitspolitiker, solange sie nicht aus völliger Unkenntnis oder bodenloser Dummheit handeln, trotzdem die Forderung nach Vorratsdatenspeicherung immer wieder wie eine Gebetsmühle wiederholen. Diese Frage kann sich angesichts der finanziellen Macht der Industrie wohl jeder selbst stellen.
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Kavi
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BeitragVerfasst am: 02.04.2013, 20:04    Titel: Unter Generalverdacht Ein Jahr Vorratsdaten: Antworten mit Zitat

Österreichische Bilanz nach einem Jahr Vorratsdatenspeicherung:

http://futurezone.at/netzpolitik/14998-ein-jahr-vorratsdaten-befuerchtungen-eingetreten.php
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